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Eine Welle Sehnsucht schlug in unsere Herzen.
Fremdes erleuchtetes Glück - da fuhr es hin. Und wir wussten: säßen wir auf
jenem Dampfer und sähen den erleuchteten Zug auf der Fähre, wir dächten
wiederum: da fährt es hin, das Glück. Bunt glitzernd fuhr das große Schiff an uns
vorüber, mit den Lichtpünktchen an seinen Masten. Die schwitzenden Stewards
sahen wir nicht, nicht die Reeder in ihren Büros, nicht den zänkischen Kapitän
und den magenkranken Zahlmeister ... natürlich wussten wir, dass es so etwas
gibt - aber wir wollten es jetzt in diesem Augenblick nicht wissen. Unsere
Herzen fuhren ein Stückchen mit.
Dann stand unser Wagen auf der Fähre. Das Schiff erzitterte leise. Die Lichter
an der Küste wurden immer kleiner, dann versanken sie in der blauen Nachtluft.
Wir standen an Deck. Die Prinzessin sog den salzigen Atem des Meeres ein. ‚
Daddy - ich bedanke mich auch schön für diesen Sommer!' - ‚ Nein, Alte - ich
bedanke mich bei dir!"
Sie sah über die dunkle Seite des Sees. ‚ Das Meer...' sagte sie leise, ‚ das
Meer...'
Hinter uns lag Schweden, Schweden und ein Sommer " .
Aus: Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm

Das Wesen der Sehnsucht
Das Wesen der Sehnsucht
ist nicht die Qual
unerfüllten Seins.
Sie ist ein Ort
der stillen, tiefen Freude
am Spiel
um die Freiheit
des Geschehenlassens.
(©
Hans Kruppa)

Rosenverkäufer
Ich wachte auf,
sah einen Rosenverkäufer
Ich freute mich sehr, er tauschte eine Rose gegen ein Herz
Ich hatte ein Herz, es war voller Schmerz und Kummer
Ich konnte nicht glauben, er tauschte eine Rose gegen ein Herz
Wir handelten, er sagte: Ich tausche nicht Haupt für Haupt
Aber ein Rosenliebhaber gibt dir Leib und Seele
Ich fragte: Wer tauscht Leib und Seele gegen eine Rose
Er sagte: dies ist ein Bazar, man tauscht eine Rose gegen Kummer
Ich gab Leib und Seele, das Herz schrie um Hilfe
O Cegerxwin, du tauschtest dein Herz gegen eine Rose.
(Cegerxwin,
kurdischer Dichter des 20.Jahrhunderts)

Wechselnde
Anschriften 2
Oder doch: das Herz-
spiel beginnen/ die Karten auf-
schlagen
In dieser Landschaft / die ertrinkt
Im Nebelgrau / das Paradies
zerfließende Tinte
Häuser / in denen man
wohnen könnte
Schritt für Schritt / und
Jahr für Jahr
Dann streichst du dein Haar
zurück / den Blickk
für die Ferne
(©
Sepp Mall)

Disclaimer
© Dr. Martin Hoppe 2003
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