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Sehnsucht in der Stille |
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Im Moment wäre es dieser Satz? Ich mag eine weiße Lilie. Von Anfang an. Bis zum Verblühen. Keine andere Blume schafft es am Ende ihre Blütenblätter so zu entfalten, wie sie es vermag. Man braucht nur diese Geduld. Das Alter ist ein Schmetterling. Die Flügel knistern wie getrocknete Seide. Langsam, ganz langsam raschelt es und fliegt dann weg...
Ich muss unbedingt bis ans Ende leben. Ist es das? Oder ich habe eben und doch schon so spät, einem Mann mein Haus aufgemacht. Auf der Schwelle gab er mir einen Kuss. Wie eine winzige Perfektion. Ein Schlüssel passt ins Schlüsselloch. Nicht anders, als eine Zunge in den Mund? Bin ich jetzt aufgeschlossen? Er ist gegangen. Es ist Sonntag. Er entwirft neue Häuser und hat mir eine weiße Blume geschenkt. Ja, genau diese. Lilie. Er stellt sie in meine Vase. Ich gebe ihr mein Wasser. Vase und Blume. Er und ich. Du und ich. Als wären es immer zwei Autoritäten, die einander beanspruchen? Meine Blicke wandern durch den Raum. Anhaltspunkte. Lächeln. Ein Buchrücken springt mir ins Auge. Le Corbusier. Ich freue mich. Oh, ich liebe ihn so sehr… Mein Gott, du kennst das Gedicht des rechten Winkels? Dieses: " La Poème de l'Angle Droit " Ich kann nichts verehren, was einfach nur Haltung ist. Ich stand einmal völlig unerwartet in Weimar davor, wo man es an eine Wand geschrieben hatte und im gleichen Moment hatte mich ein Freund gefragt, wer ich eigentlich sei. Ich erinnere mich jetzt an mich selbst. Ich stellte mich hinter ihn und legte ihm mein Kinn auf die Schulter und den Mund dicht an sein Ohr... als ich ihm plötzlich querfeldein aus den Versen vor mir, zu antworten begann? Das Milieu? Der Geist? Das Fleisch? Verschmelzung? Charaktere? Gabe? Und Werkzeug? Das Währende... das Wechselnde... Tochter von Tropfen... vertikal horizontal... Beweglichkeit... hochaufgerichtet... das Gewitter bricht los... breitet sich aus... das Gesicht zum Himmel gekehrt... den Rücken am Boden... Taten... einen Packt... es ist der rechte Winkel... stehst du aufrecht auf deinen Beinen... gegenwärtig... immerfort... Zeit... Jahrtausende wenn nötig... die dem Geist entspringt... dem Leben geboten... Wert liegt darin... nach allen vier Himmelsrichtungen... ohne dass man sie rief... Danke... von Aussen... von innen getrieben... abzuschlecken... mit gesträubtem Fell... die Frau immer irgendwo... die Liebe... in der Hoffnung... Zärtlichkeit... Hand und Muschel lieben sich... Zum Wohl oder Wehe... singen die Stimmen... des Jubels... duldet die Verwandlungen... Einswerden... passieren... bleiben... leben... rechter Winkel des Charakters... ich habe mich gespiegelt... weiss es nicht... wer hat sie so gemacht... auf der Erde... ihre Größe... die modernen Kathedralen... ausgerichtet... nach den Fischen... Geduld... warten... Begehren und Wachsein... sie ist offen... gegenwärtig verfügbar... zu empfangen... über all die Ströme... Liebkosungen... das Leben... das im Befühlen liegt... gebe ich... es ist die Antwort... das Zeichen... eine Wahl... nackt... aber greifbar... die Relativität... das Gewissen... Ikonastasis... Und dann sage ich, so ist das alles und irgendwo und mittendrin...Stille… ganz alltäglich... Sehnsucht… Irgendwie… Ich… Frau… Mit dem schönen Geschenk… Altwerden… Nur sehr alt… Und so… Behutsam genug… aus allen Himmelsrichtungen sammle ich mich in dieser einen einzigen Blume von dir ein… Ganz langsam. Ganz langsam… Text: © Christina Nelly Heukenroth |