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Streiflichter aus Delhi |
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Im Anflug über Dehli riecht es plötzlich intensiv nach Kohlefeuer: es ist nur 6 Grad, tausende von Feuerstellen führen zur offiziellen indischen Wetterlage:„ Rauch“. Im alten, abgenutzen IGI (Indira Gandhi International)-Airport gehen Zoll und Gepäck um halb zwei Nachts schnell und freundlich vonstatten. Am Ausgang erwartet mich mein Fahrer zum Hotel. Ein leicht gespenstischer erster Eindruck auf dem nächtlichen Weg dorthin, spärliche Lichter, Rauch vernebelt die Sicht, Ruinen, Zelte, halb abgerissene Häuser – dann plötzlich die geschützte Enklave hinter Mauern – das Hotel – eine ganz andere Welt.
Der
sonnige Morgen beginnt mit einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt: unser
Fahrer hat nur einen blassen Schimmer, wohin er uns bringen soll. Ab
geht es in die Morgen-Rushhour: das perfekte, schier unbeschreibliche
Chaos-Knäuel aus Autos aus allen Richtungen, in alle Richtungen,
zentimeterscharf, aggressiv-nachdrücklich und doch voller Gelassenheit
und Freundlichkeit. Die Rückspiegel sind eingeklappt, man „sieht“
akustisch, ständiges Hupen ist in Indien Pflicht, Busse und Lastwagen
weisen neben handgemalten „Hare Krishna“- Aufschriften darauf hin: „Horn Please!“.
Jeder Verkehrsknoten entknäuelt sich dann – irgendwann - auf wunderbare Weise,
und mit Schwung und Gelassenheit geht es in den nächsten. Streiflichter auf dem Rückweg von der Arbeit: das extreme Elend der Menschen, die in Müll und Ruinen leben müssen, in den Seitenwegen, erschütternd und doch normal hier. Das Kinderbild ist mir schon grenzlagig. Ich stoppe das Fotografieren. Selbst die Wohnviertel des Mittelstands erscheinen verwahrlost. Daneben hier und da ummauerte, von Wächtern abgeschirmte Wohnbereiche der Reichen. Dennoch: Gelassenheit regiert überall. Auch bei der Nachricht, dass in einem Zug weitere 15 Bomben gefunden worden sind – nur eine kleine Randnotiz in der Zeitung.
Strassenkinder
Und immer wieder – Armut, bitterste Armut, Dreck, Bettler, Straßenkinder....... und manche Gutverdienende, denen man es ansieht ... (der Wohlstands-Bauch ist bei Männern Statussymbol!).
Ein anderer Eindruck: Farben, Farben, Farben - besonders bei der Kleidung der Frauen - Pracht und Augenschmaus in vielen Variationen - ob arm oder reich, selbst bei den Bauarbeiterinnen im Straßenbau.....
Ein Besuch im Dehli Zentral-Hospital: für Europäer horrend anmutend, nur nicht hierher eingeliefert werden! 30.000 Betten muss man sich erst einmal bildlich vorstellen, die „Wartezimmer“ sind im Freien, durch die Anlage hüpfen Schwärme wilder Affen und ergattern sich Abfälle. Das Essen: ein sinnlicher Gaumenschmaus (wenn man nicht gerade auf die in fast jedem Topf mitkochenden superscharfen Chillies beißt), vieles vegetarisch (60% der Inder sind Vegetarier)......ich kann nur schwärmen! Der verweichlichte Mitteleuropäer ist diszipliniert: keinen Salat, kein Leitungswasser, keine Eiswürfel, kein Obst. Abends im Hotel: ich drücke auf die Toilettenspülung, sie fliegt mir um die Ohren, ein Wasserschwall rauscht in das Badezimmer, in Minutenschnelle ist ein gut bepackter Handwerker da, der das offensichtlich bekannte Problem mit ein paar Zangengriffen löst. Bis zum nächsten Mal :-). Und ja: es gibt auch Sehenswürdigkeiten - und wie schöne :-)! Disclaimer |