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Sidetracks, USA |
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NIH, Das National Institute of Health ist die größte Forschungseinrichtung der Welt. Wir besuchen zwei Forscher, wie sie unterschiedlich nicht sein können: Jim, ca 75, ist einer der führenden Malariaforscher, hat eine Professur in Tokio und hier, pendelt zwischen Japan und USA hin und her. Ein Unikum in Cowboystiefeln und gesteiftem Hemd, mit scharfen Sinnen, einer japanischer Frau, mit der er gerade auf der Suche nach einem Alterswohnsitz mitten in Tokio ist. Retirement in Tokio – welch interessanter Ansatz. Danach Besuch bei Owen, dem Mann mit dem Civil War Home, er führt eines der größten Instrumentenlabors am NIH. So richtig und mit gutem Grund fertiggemacht hat er mich wegen einer langen Entwicklungsverzögerung, zwischendurch dennoch immer wieder freundliches Aufblitzen in seinen Augen, die „Standpauke“ nehme ich dennoch sehr ernst. Zwei Tage Abtauchen, ich sehe den Himmel nicht mehr - Sales Meeting mit „unseren“ Amerikanern. Weil ich einen Morgenflug vom Dulles Airport weit draußen über den Kontinent habe, fahre ich am Abend in einer Limo in ein Flughafenhotel. Der kleine Latino-Fahrer verfranzt sich hoffnungslos, hat keinerlei Orientierungssinn – es tut ihm so leid. Also stoppt er auf dem Randstreifen, ich rufe das Hotel an und lasse mich leiten - und welche Erleichterung! Das Country Inn Suites Hotel ist gemütlich und familiär, man trifft sich mit den anderen Gästen abends im Wohnzimmer, das Essen ist umsonst, der Fernseher läuft. Der Frühmorgenflug United 922 nach San Diego kommt 20 Minuten vor dem Weiterflug aus Seattle an, wie schaffen die es nur, das Flugzeug in 20 Min für einen Kontinentalflug fit zu machen? Aber sie schaffen es, das Aus- und Einsteigen ist diszipliniert, freundlich, gelassen. Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit überall sprichwörtllich amerikanisch. Quer über den Kontinent dauert es 5 Stunden, ich schaue nicht den Tom Hanks-Film, sondern lasse mich vom Flugfunk „unterhalten":
United 922, cleared for take-off 25 left, wind 3 out of
120 Am ersten Nachmittag in San Diego genieße ich die Luft, so frisch und angenehm! Fahre auf einen Berg und kalte Schauer gehen mir den Rücken herunter beim Anblick eines Soldatenfriedhofs mit tausenden von Gräbern . San Diego ist einer der großen Militärstützpunkte in den USA, überall Museen, Garnisonen, Flugzeugträger, Kriegsherrlichkeit. Wochenende - ein freier Samstag: Die Wüste ist nur 2 Stunden Autofahrt entfernt von San Diego, der Anza-Borrego Desert State Park. Ich halte überwältigt an. Laufe durch die Wüste. Stille, wie ich sie noch nie erfahren habe. Doch – ich erinnere mich – damals in Südafrika. Stille, die beinahe weh tut. Die dich ganz zu dir kommen läßt, in höchster Intensität. Die Wüste lebt – das ist überall zu erkennen, aber an diesem Morgen ist sie geräuschlos. Gut, dass ich jetzt keinen Begleiter habe. Ich bewege mich ganz konzentriert durch die Einsamkeit, denn wenn mir hier, abseits der Wege etwas passiert, findet mich hier keiner.
Fantastisch ist der Temperaturanstieg mit der Sonne: von fast 0 Grad geht´s im Nu auf die 30 zu, mehr nicht, es ist ja bald Weihnachten. Im Wüstendorf Borrego werde ich freundlich taxiert wie ein Urtier, offensichtlich hat mich hier noch niemand gesehen.
Der Übergang in die bewaldete Welt ist abrupt, an einem Bergmassiv endet die Wüste und der Wald beginnt. Wald? Verbrannter Wald eine halbe Stunde lang, ich erinnere mich an die letztjährigen schweren Brände um San Diego. Eine Wüste der besonderen Art, die aber wieder langsam zum Leben erwacht.
Der Samstag geht am Nachmittag mit einem Wellen-Surf-Wettbewerb in Ocean Beach zu Ende – atemberaubend, die Surf-Profis wie sie todesmutig auf Riesenwellen unter der Pier durchrasen.
Am Sonntag ein Vortrag mit Gesprächsrunde in der LaJolla-Universität. Wir kommen nicht ins Gebäude rein, also ruft Will die Campus-Polizei an, die uns ohne weitere Fragen das Gebäude öffnet – wir hätten alles ausräumen können! Auch das ist Amerika – viele wenig qualifizierte Leute in den einfachen Berufen. Die American Society for Cell Biology-Konferenz zeigt immer mehr japanische und chinesische Forscher-Gesichter und hochinteressante Entwicklungen. Systembiologie ist das Schlagwort - ein relativ junger Zweig der Biowissenschaften, der versucht, biologische Organismen in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Das Ziel ist, ein integriertes Bild aller regulatorischen Prozesse über alle Ebenen, vom Genom über das Proteom, zu den Organellen bis hin zum Verhalten und zur Biomechanik des Gesamtorganismus zu bekommen. Wesentliche Methoden zu diesem Zweck stammen aus der Systemtheorie und ihren Teilgebieten. Da aber die mathematisch-analytische Seite der Systembiologie bis auf weiteres nicht perfekt ist, kommen als Forschungsmethoden sehr häufig Computersimulationen und Heuristiken zum Einsatz. Meine Vorträge über die Leica Microsystems Innovation Roadmap sind gut besucht, wir diskutieren die Ergebnisse im abendlichen Kollegenkreis. Amerika:
Menschen, die einen wie selbstverständlich ansprechen, einfach nur gutes wünschen, einen schönen Anblick teilen, und nach einem Tag schließe mich auf. Relikte des Pioniergeistes, überall ein wenig zuhause sein, unverbindlich und dennoch warmherzig. Abgabe des Mietwagens früh am Morgen, der Hertz – Bus fährt mich zum Flughafen. Ich steige ein, bin der einzige Gast im Bus. Im Radio läuft laute Soul-Musik. Eine rundliche Schwarze, die Fahrerin, kommt breit lachend auf mich zu, begrüßt mich und fordert mich auf: „You wanna dance with me?“ So wird der Morgen gut! Nebelchaos in SFO, Flüge gestrichen, meiner ist verspätet, bekomme meinen Anschlussflug nach FRA 5 Minuten vor Toresschluss, dann geht die APU (Auxiliary Power Unit) kaputt, wir warten 2h in SFO im Flieger bei 30 Grad ohne Klimatisierung, bis sie das Ersatzteil gefunden haben, dann geht es los.... Alles wird gut :-)
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